Rente mit 70 - die eigentliche Frage ist: Unter welchen Bedingungen?
Während die Rentenkommission an den Empfehlungen für die Stabilisierung des Rentensystems feilt, läuft bereits eine Debatte über die möglicherweise darin enthaltene „Rente mit 70“.
Verständlicherweise stößt dieser Gedanke bei potenziell Betroffenen auf wenig Begeisterung.
Gleichzeitig müssen wir ehrlich sein: eine 70-Jährige Person von heute ist nicht zu vergleichen mit einer 70-Jährigen im Jahr 1980. Die Menschen leben nicht nur länger, sondern erleben dieses Älterwerden auch mit einer höheren Gesundheit und Lebensqualität. Nicht umsonst beziehen die heutigen Renter:innen länger das Altersruhegeld als jemals zuvor: 21 Jahre im Durchschnitt.
Damit das gelingt, subventioniert der Bund die Rentenkasse mit jährlich rund 100 Milliarden Euro. Im Jahr 2050 – dem angedachten Jahr für die Rente mit 70 – wird hier ein noch höheres Niveau erreicht sein.
Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen in Rente gehen, während weniger junge Arbeitskräfte nachrücken. Der Generationenvertrag, wie er 1957 konzipiert worden ist, funktioniert schon lange nicht mehr.
Dadurch gerät unser Rentensystem gerät zunehmend unter Druck und es werden händeringend Lösungen gesucht. Da überrascht eine Diskussion über die „Rente mit 70“ kaum.
Doch: die isolierte Debatte um das Renteneintrittsalter greift zu kurz.
Denn es geht nicht darum, „noch nicht in Rente zu sein“ sondern darum, durch Arbeitsleistung einen echten Beitrag zu bringen. Das geht nur, wenn die Arbeitenden gesund und motiviert sind.
Die klare Schlussfolgerung: Wenn Menschen länger arbeiten sollen, muss Arbeit alter(n)sgerechter gestaltet werden.
Dabei geht es darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Menschen auch mit 67, 70 und darüber hinaus gesund und motiviert arbeiten können.
Der Heidelberger Geriater Prof. Dr. Jürgen M. Bauer nennt drei zentrale Punkte:
Gesundheitschecks am Arbeitsplatz, die individuelle Belastungen erkennen und den Arbeitsplatz auf die individuellen gesundheitlichen Bedarfe einstellen.
Eine hohe Eigenverantwortlichkeit des älter werdenden Mitarbeitenden darin, der eigenen Gesunderhaltung Priorität vor der Arbeitsleistung zu geben. Älter werdende Menschen müssen erkennen dürfen, dass sie eher erschöpft sind und daher mehr schonende Ruhepausen benötigen.
Prävention: Regelmäßige, insbesondere kardio-vaskuläre Vorsorgeuntersuchungen als festen, verpflichtenden Bestandteil der Arbeitswelt.
Denn Fakt ist: Viele Menschen würden länger arbeiten – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Hier spielen Arbeitgeber eine zentrale Rolle, indem sie der Gesundheit am Arbeitsplatz und damit der Prävention deutlich mehr Bedeutung schenken. Nur so können wir die aufgezeigten Herausforderungen der Zukunft bewältigen.
Wir werden diese Themen in unserem virtuellen Live-Talk mit Prof. Dr. Jürgen M. Bauer am 24.06.2026 vertiefen – hier (https://www.best-practice-deutschland.de/live-talk) können Sie sich anmelden.